Geschichte

Die Goethe-Realschule liegt am Ostrand der Parchimer Altstadt an den Wallanlagen. Der Schulkomplex wurde von 1888-90 im Stil der Neorenaissance als Domizil für das großherzogliche Friedrich-Franz-Gymnasium (gegr. 1827, hervorgegangen aus der Großen Stadtschule ab 1564) errichtet. Im Fundament wurde eine Kupferkassette mit damals aktuellen Dokumenten eingemauert.

                                               
Parchimer Handwerker fanden Arbeit und Lohn, als sie das dreigeschossige Hauptgebäude, eine Turnhalle, das Direktorenhaus und einen Toilettenbau schufen. Außer lichten Klassenräumen wurden Fachräume für Physik und Chemie, Zeichnen und Musik erbaut. Durch drei bleiverglaste Außentüren betrat man eine Vorhalle. Fünf elektrische Batterien lieferten Strom für das Physikkabinett und die Schulglocke. Gaskraftmotoren pumpten Wasser aus einem separaten Brunnen in alle Stockwerke. Die Aula zierte ein eiserner Kronleuchter und bei festlichen Anlässen ertönte eine Orgel, die nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.


Bis 1945 wurden hier unzählige Schüler zum Abitur geführt. Das Gymnasium wurde ab 1937 schrittweise in eine Oberschule mit einem sprachlichen und einem mathematisch- naturwissenschaftlichen Zweig umgewandelt und erhielt 1939 den Namen Moltke-Oberschule. Von 1945-50 wurde der Gebäudekomplex von der Sowjetarmee als Lazarett genutzt, ehe dort eine dritte Grundschule (1.-8.Kl.) in Parchim wieder die Unterrichtsarbeit aufnahm. Diese Bildungseinrichtung erhielt den Namen Goetheschule, die Lemarbeit sollte durch die humanistischen Gedanken des Dichters geprägt sein. Tatkraft und Strebsamkeit sind die hervorragenden Grundwerte in Goethes Werken. Die Schule war 1955 die erste 10- klassige Mittelschule der Stadt, 1959 Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule. Neue Lehrpläne führten die Schüler in die Parchimer Betriebe zur produktiven Arbeit. Das Schulensemble wurde durch einen Tumhallenanbau, einen Trakt für den Werkunterricht und ein Hortgebäude erweitert. Bis 1973 wurden Fachräume für die verschiedensten Lehrangebote eingerichtet.


Seit 1991 teilt sich die Goethe-Realschule in 2. und 3. Stock und die Goethe-Grundschule im 1. Stock das Gebäude. Für die Realschule wurde 1996 ein modernes Computerkabinett installiert. Bei einer Generalüberholung von 1994 bis 2003 wurden nicht nur die Schulräume renoviert, sondern auch eine moderne Sanitäranlage im Keller geschaffen, ein neuer Werktrakt und Umkleideräume neben der vergrößerten Turnhalle errichtet. Hierbei wurden die Altbauten klug von den modernen Gestaltungselementen abgesetzt. Das Direktorenhaus wird heute von den Schulanfängem als separate Heimstatt genutzt. Alle Voraussetzungen für eine moderne Unterrichtsgestaltung bis auf einige Spezialräume für Arbeitsgemeinschaften sind so vorhanden.


Generationen von Schülern erinnern sich an vielfältige Erlebnisse in diesem Schulensemble, früher unter hohen alten Kastanien, heute auf dem neu gestalteten Schulhof.


Dieter Dümcke, Januar 2008